Vermittler mit Tatkraft und Humor in Zeiten eines großen Umbruchs

Nachruf: Monsignore Johann Wagner, ehemaliger Geistlicher Direktor der St. Josefskongregation und erster Vorstandsvorsitzender des Dominikus-Ringeisen-Werks, ist gestorben. Er war an einer entscheidenden Weichenstellung des Werks beteiligt. Diese sicherte einem der größten Sozialträger Süddeutschlands Wachstum und Zukunft

Datum: 21. April 2022, 11:46 Uhr
Monsignore Johann Wagner ist im Alter von 89 Jahren in Ursberg gestorben.

Monsignore Johann Wagner, ehemaliger Geistlicher Direktor der St. Josefskongregation Ursberg und erster Vorstandsvorsitzender der Stiftung Dominikus-Ringeisen-Werk, ist am 21. April 2022 im Alter von 89 Jahren in Ursberg verstorben. Hier lebte er, betreut von den Schwestern der St. Josefskongregation, seit Sommer 2010. In den letzten Tagen hatten sowohl die Schwestern als auch der heutige Geistliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des Dominikus-Ringeisen-Werks Martin Riß regelmäßig Nachtwache bei ihm gehalten. Wagner war ein Zeitzeuge eines großen Umbruchs in der Geschichte des Dominikus-Ringeisen-Werks, der Gründung der kirchlichen Stiftung öffentlichen Rechts im Jahre 1996. Diese Weichenstellung, die Wagner zusammen mit den Schwestern der St. Josefskongregation vornahm, prägt das Dominikus-Ringeisen-Werk bis heute. Zum 25. Stiftungsjubiläum 2021 wurde ihm aufgrund seiner Verdienste die Ringeisen-Medaille verliehen.

Monsignore Johann Wagner kam im Juli 1992 nach Ursberg. Es war eine Zeit der Zäsur für die Schwesterngemeinschaft, die seit dem Tod Dominikus Ringeisens 1904 verantwortlich gewesen war für das stetig wachsende Werk. Mit spürbar nachlassenden Eintritten in den Orden konnten die Schwestern diese Aufgabe alleine nicht mehr meistern. Die damalige Generaloberin Sr. Evangelista Höfer eröffnete dem neuen Direktor Wagner kurz nach dessen Amtsantritt ihre Pläne zur grundlegenden Umstrukturierung des Werks. „Zuerst war er etwas erschrocken, dass er die Leitung des Werks übernehmen sollte. Dann war er aber sehr unternehmend“, erinnerte sich die heute 91-jährige Ordensfrau im Interview 2021.

Wagner übernahm die Führung einer Arbeitsgruppe, die mit der Ausarbeitung einer neuen Leitungsstruktur beauftragt war. Er war disziplinierter Organisator, wichtiger Verbindungsmann zu kirchlichen Stellen und als Geistlicher Direktor sensibler Ansprechpartner und Seelsorger für die Schwestern, für die dieser Umbruch nicht leicht war. Schließlich ging es um ihr Lebenswerk, das sie sicher in die Zukunft geführt sehen wollten. Als die Rechtform einer Stiftung feststand, fiel Johann Wagner als Direktor auch der Vorstandsvorsitz der Stiftung Dominikus-Ringeisen-Werk zu. Als Geistlicher Direktor war er in Personalunion zudem auch letzter Ortspfarrer in Ursberg. Den Staffelstab gab er im September 2004 an seinen Nachfolger Walter Merkt weiter. Johann Wagner war der insgesamt achte Geistliche Direktor seit Dominikus Ringeisen.

Geboren wurde Johann Wagner am 14.10.1932 in Biberbach. Seine Priesterweihe empfing er am 26. Mai 1963 in Dillingen. Es folgten Stationen als Pfarrer zur Aushilfe in Grönenbach, als Stadtkaplan in Kaufbeuren, Pfarrer in Tutzing und schließlich als Pfarrer der Gemeinde Kirchhaslach. Aus dieser Zeit stammt sein Spitzname „Johnny“, der ihm von der Gemeindejugend verliehen wurde und der weit über die Grenzen des 1.300-Seelendorfs im Unterallgäu bekannt ist. Das war keineswegs despektierlich gemeint, sondern vielmehr Ausweis der Nahbarkeit und Beliebtheit des Kirchenmannes. Verdient machte sich Wagner zudem 1978 bei der Gründung des Jugendhauses Waldmühle in Böhen bei Ottobeuren. Von Kirchhaslach ging es im gleichen Jahr als Regionalseelsorger und Regionaldekan nach Sontheim. Nach 12 Jahren bei der St. Josefskongregation und dem Dominikus-Ringeisen-Werk übernahm der mittlerweile 72-Jährige bis 2010 noch einmal die Pfarrei in Irsee.

Johann Wagner war zudem ein begeisterter Wallfahrer und Organisator von Gruppenreisen nach Israel. Sein Weg führte ihn über 50 mal ins Heilige Land. Der ehemalige Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, verlieh ihm deshalb den Ehrentitel „Kanonikus vom Heiligen Grab“.

Martin Riß würdigte seinen Vorgänger, den er in den letzten Monaten intensiv begleitet hatte: „Gerne blicke ich auf die Tatkraft und den Humor von Monsignore Wagner zurück. Daran werde ich mich stets dankbar erinnern. Er hat die Zeichen der Zeit erkannt und die Schwestern der St. Josefskongregation bei der Gründung der Stiftung Dominikus-Ringeisen-Werk tatkräftig unterstützt. Junge Menschen und der Einsatz für das Leben waren ihm zentrale Anliegen.“

Die Generaloberin der St. Josefskongregation, Sr. Katharina Wildenauer, sagte: „Wir verlieren mit Monsignore Wagner einen den Menschen zugewandten Priester, dessen Lebensdynamik einem hoffnungsvollen Glauben entsprang. Dankbar blicken wir auf sein vielseitiges Wirken für das Dominikus-Ringeisen-Werk und die St. Josefskongregation zurück, vor allem auf seinen engagierten Einsatz zur Gründung der kirchlichen Stiftung. Wir sind sehr dankbar für seine Treue im Glauben, gegenüber unserer Schwesterngemeinschaft sowie den uns anvertrauten Menschen. Wir werden ihn in seiner lebensfrohen Art vermissen.“ 

Das Requiem für Monsignore Wagner findet am Montag, 25. April um 14.30 Uhr in der Pfarrkirche Ursberg statt. Anschließend findet er seine letzte Ruhestätte an der Seite seiner Vorgänger im Amt der Geistlichen Direktoren auf dem Ursberger Klosterfriedhof.

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